Biogas aus Biomüll – Exkursion zur Entsorgungs-Gesellschaft Westmünsterland

Eine Gruppe von 16 Personen folgte am 27.8.2015 der Einladung der Initiative „Transition Town – Essen im Wandel“ zur Besichtigung der Biogasanlage des Kreises Borken. Einen ausführlichen Bericht und Bilder dazu findet ihr hier:

Biogasanlage Gescher 3In der Anlage der 1994 gegründeten kommunalen Entsorgungs-Gesellschaft Westmüsterland (egw)  erfolgt eine sorgfältige Verwertung der Abfälle, insbesondere wird aus Bioabfall Energie und Kompost.  Der persönlich sehr engagierte Mitarbeiter Dr. Kay Backeshoff informierte die Gruppe über  verschiedene Aspekte der Abfallentsorgung und ging mit großer Offenheit auf die vielen Fragen und Anmerkungen ein.

Die Verwertung von Bioabfällen – seit 1. Januar 2015 sollte laut Kreislaufwirtschaftsgesetz jeder Haushalt seinen Bioabfall getrennt sammeln – stellt ein zentrales Anliegen und eine Kernkompetenz der egw dar. Die Besonderheit der Anlage in Gescher ist die Art der Kombination von Biogasanlage und Kompostierung. Nur drei weitere Anlagen in NRW arbeiten auf ähnliche Weise: In einem ersten Behandlungsschritt werden die Bioabfälle ausgepresst. Die festen Anteile werden im Laufe von acht Wochen kompostiert – im Vergleich zur Kompostierung des gesamten Bioabfalls wird dadurch Energie eingespart. Der flüssige Anteil wird in der Biogasanlage vergoren. Auf diese Weise wird der gesamte Eigenbedarf an Energie der egw gedeckt. Zusätzlich erzeugen zwei Windräder und eine Solaranlage die gleiche Energiemenge wie die Biogasanlage. Dieser Strom wird ins Netz eingespeist. Kompost wird kostenfrei an Selbstabholer abgegeben.

Biogasanlage Gescher 4

Die Verwertung von Bioabfällen zur Energiegewinnung ist beispielgebend. So lange es Menschen gibt, wird es auch Bioabfall geben. Dessen energetische Nutzung ist der Biogaserzeugung aus Holz, Mais oder anderen Energiepflanzen eindeutig vorzuziehen und könnte noch stärker genutzt werden. Bioabfälle stehen nicht in Konkurrenz zu Nahrungsmittelanbau und Waldschutz. Der subventionierte Anbau von Energiepflanzen hat schon jetzt die Pachtpreise für Ackerland in nie gekannte Höhen getrieben. In der Folge geraten immer mehr Bauern, darunter eine große Zahl von Bio-Bauern, in wachsende wirtschaftliche Bedrängnis. Zunehmend geben sie ihre Betriebe auf.

Die Abfallgesetzgebung ist seit den 70er Jahren einem stetigem Wandel unterworfen. So wurde zunächst das Ziel einer „geordneten Deponierung“ verfolgt und die Anzahl der Deponien konnte vermindert werden. Inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt: Die Vermeidung von Abfällen soll an erster Stelle stehen. In der Abfallhierarchie folgen dann Wiederverwertung, Trennung, Recycling und sonstige Verwertungen wie z.B. Energieerzeugung. Die Abfallbeseitigung durch Verbrennung steht an letzter Stelle. Abfälle stellen heute Wertstoffe dar. 2012 ist aus der Abfallgesetzgebung schließlich das Kreislaufwirtschaftsgesetz geworden, nach dem die Wertstoffe möglichst vollständig dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden sollen. Die Durchführung wie auch die Gebührenerhebung wird von den einzelnen Bundesländern und auf kommunaler Ebene gestaltet.

IMG_1785Bei der Besichtigung der technischen Anlagen wurde deutlich, wie wichtig sowohl die Müllvermeidung als auch eine sorgfältige Mülltrennung sind. Erst durch eine konsequente Mülltrennung können viele Wertstoffe einer Verwertung zugeführt werden. Das kann dann auch finanzielle Gewinne erbringen, die den Kommunen und darüber den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen. Eine lukrative Verwertung ist bei Altpapier, Elektroschrott, Schrott, Hartkunststoff und insbesondere bei Altkleidern möglich. So können im Kreis Borken z. B. etwa 1,4 Millionen Euro pro Jahr an die Kommunen zurückgezahlt werden. Verpackungen werden gesondert   gesammelt (mittlerweile steht ein US-Investor dahinter), der grüne Punkt existiert seit vier Jahren nicht mehr.

Hohe Kosten verursacht die Nachsorge der Altdeponien. Aus diesen wurden aufgrund von fehlendem Boden- und Gewässerschutz vielfach Schadstoffe in den Boden eingetragen. Die Deponien müssen nun nachträglich mit großem Aufwand z. B. durch Ummantelung zum Schutz von Boden und Gewässern bzw. Grundwasser versehen werden. Der Anstieg der Abfallgebühren ist im Kreis Borken im Wesentlichen auf die Kosten der Sanierung von den Altdeponien zurückzuführen.

Ein Fazit der Exkursion ist, dass Bürgerinnen und Bürger viel für die Schonung von Umwelt und Klima Biogasanlage Gescher 5beitragen können. Mit Müllvermeidung, langer Nutzungsdauer und schließlich sorgfältiger Trennung können wir die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft und damit Energie- und Ressourceneinsparung stärken.

Gleichfalls kann darauf hingewirkt werden, dass die Stadt Essen Mülltrennung und Recycling stärker fördert und auch die braune Tonne für Biomüll für jeden Haushalt einführt. Wie weit Biogasgewinnung aus Bioabfall hier in Essen umgesetzt werden kann, sollte ausgelotet werden. Die Stadt Wien könnte dazu als Beispiel herangezogen werden. Der Wiener Kompost hat sogar eine Zulassung für Biobetriebe.

Mit unserer Initiative „Transition Town – Essen im Wandel“ können wir bei verschiedenen Veranstaltungen die Thematik in die Bevölkerung tragen und über unsere Umgangsweise mit Ressourcen wie auch mit Abfall sprechen: Bei den Aktionen des Transition-Town-IdeenMobils in den Stadtteilen, bei unseren Filmabenden und allen weiteren Veranstaltungen.

 

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